Anleihen-Handel: EZB-Maßnahmen verpuffen


16.09.19 13:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Niedrigerer Einlagenzinssatz, Wiederaufnahme der Anleihekäufe, noch günstigere Bedingungen für langfristige Bankkredite - der scheidende EZB-Chef Mario Draghi gab am Donnerstag einen ganzen Strauß von Maßnahmen bekannt, so die Deutsche Börse AG.

Mit denen solle die Inflation in der Eurozone endlich auf die gewünschte Höhe gebracht und eine Rezession verhindert werden.

"Die EZB hat die Märkte weniger mit der Senkung des Einlagensatzes oder der Wiederaufnahme der Nettoanleihekäufe überrascht", bemerke Analyst Markus Koch von der Commerzbank. "Die Überraschung lag vielmehr darin, dass diese "so lange wie nötig laufen" sollen - also vorerst unbefristet sind." Lange habe sich die Überraschung aber nicht ausgewirkt: "Der Anleihemarkt reagierte nur kurzfristig", berichte Arthur Brunner von der ICF Bank.

Nach der EZB-Entscheidung seien die Renditen deutlich gefallen und die Anleihekurse seien gestiegen, dann sei es schnell wieder in die andere Richtung gegangen. Zehnjährige Bundrenditen lägen aktuell wieder bei minus 0,50 Prozent - und damit höher als in der Vorwoche und über dem historischen Tief von minus 0,74 Prozent von Anfang September (13.09.2019).

Die Maßnahmen der EZB seien auf viel Kritik gestoßen. "Sowohl an den Finanzmärkten als auch in der realen Wirtschaft vermag die Geldpolitik keine substanziellen Impulse mehr zu setzen", erkläre Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. "Insbesondere das Thema Neuauflage Nettoanleihekäufe ist zum jetzigen Zeitpunkt überflüssig", meine Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg.

Nach der EZB-Entscheidung gelte der Blick nun der US-Notenbank, am kommenden Dienstag und Mittwoch treffe sich der Offenmarktausschuss. Erwartet werde eine weitere Leitzinssenkung um 25 Basispunkte auf einen Korridor von 1,75 bis 2 Prozent. "Forderungen nach einer kräftigeren Senkung der Leitzinsen, wie sie insbesondere von Präsident Trump erhoben werden, dürfte die US-Notenbank nicht nachkommen", meine Analyst Bernd Weidenstein von der Commerzbank. Schließlich habe die FED in den letzten dreißig Jahren große Schritte von 50 Basispunkten oder mehr nur im Umfeld großer Krisen getan, zuletzt zwischen 2007 und 2008.

Bei Anlegern würden US-Staatsanleihen beliebt bleiben, wie Brunner feststelle. "Bei der aktuellen Rendite von 1,8 Prozent im zehnjährigen Bereich macht das ja einen Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen von 2,3 Prozentpunkten." Dazu komme der stabile US-Dollar.

Gesucht seien aber auch italienische Staatsanleihen. Laut Brunner sei Italien der Gewinner letzter Woche. Vor dem Hintergrund der Regierungsbildung in Italien sei die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen auf 0,9 Prozent gerutscht. Zum Vergleich: Im Mai seien es noch über 2,7 Prozent gewesen.

Im Bereich der Unternehmensanleihen würden sich Anleger weiter von Papieren mit negativer Rendite trennen, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte, etwa einer bis 2025 laufenden OMV-Anleihe mit Kupon von 0 Prozent.

Kleinere Käufe melde er für eine auf Norwegische Kronen lautende EIB-Anleihe (ISIN XS1394753484 / WKN A18Z2Q) mit Laufzeit bis Mai 2021 und Kupon von 1 Prozent mit einer Rendite von aktuell 1,15 Prozent. "Da ist das Währungsengagement wohl die primäre Idee", meine der Händler. Zugegriffen werde außerdem bei der Otto-Anleihe, die 2026 fällig sei und einen Kupon von 2,625 Prozent habe.

Wie Rainer Petz von Oddo Seydler beobachtet habe, hätten Hybridanleihen nach der EZB-Entscheidung zugelegt, etwa von Volkswagen. Hohe Umsätze habe die ICF Bank mit Ford-Anleihen verzeichnet. "Moody's hat Ford von Investment Grade zurückgestuft, die Anleihen haben sich aber schnell wieder erholt." Erholen können habe sich auch die zuletzt unter Druck geratene paragon-Anleihe, wie Brunner feststelle. Der Autozulieferer habe im August wegen der Schwäche in der Autoindustrie seine Prognose für diese Jahr reduzieren müssen.

Neuemissionen habe es zwar in der letzten Woche viele gegeben, wie die Händler berichten würden, aber keine mit privatanlegerfreundlicher Stückelung. Noch bis zum 19. September könne eine neue Anleihe des Immobilienunternehmens EYEMAXX Real Estate gezeichnet werden, die bis 2024 laufe und im Jahr 5,5 Prozent abwerfe. (Ausgabe vom 13.09.2019) (16.09.2019/alc/a/a)






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