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EZB bekräftigt expansiven Kurs - PEPP-Ankauftempo bleibt in Q3 erhöht


10.06.21 17:21
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank hat auf der heutigen Ratssitzung erwartungsgemäß beschlossen, ihren bisherigen sehr expansiven geldpolitischen Kurs fortzusetzen, so die Analysten der Nord LB.

Die EZB-Leitzinsen für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte (0,00%), Einlagefazilität (-0,50%) und die Spitzenrefinanzierungsfazilität (0,25%) würden unverändert bleiben. Auch bei dem Gesamtvolumen und der Mindestlaufzeit des Anleihekaufprogramms Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP), den Parametern des APP sowie der Forward Guidance habe die EZB keine nennenswerten Veränderungen vorgenommen. Der Rat gehe davon aus, dass auch im dritten Quartal das Tempo der Nettoankäufe im Rahmen des PEPP signifikant höher ausfalle als während der ersten Monate des Jahres.

Die heutigen Ergebnisse der EZB-Ratssitzung würden sich kurz zusammenfassen lassen: As expected! Trotz eines verbesserten Konjunkturausblicks und höherer Inflationszahlen am aktuellen Rand (Mai: +2,0% Y/Y) bleibe die EZB-Geldpolitik noch längere Zeit sehr expansiv ausgerichtet. Entscheidend sei hierfür die Einschätzung der Währungshüter, dass die im Verlauf des Jahres 2021 erhöhte Inflation hauptsächlich Sondereffekten geschuldet und der Impuls somit transitorischer Natur sei. Dies komme auch in den Juni-Projektionen zum Ausdruck, die für 2021 (1,9%) und 2022 (1,5%) zwar höhere Inflationsprognosen als noch im März ausweisen würden. Für 2023 werde mit 1,4% aber weiter ein recht deutliches Unterschreiten des EZB-Inflationsziels auf mittlere Sicht erwartet.

Mit der seit den März-Beschlüssen erhöhten Ankaufgeschwindigkeit im Rahmen des PEPP gehe die EZB auch ins dritte Quartal, was keine Überraschung darstelle. Eine Änderung sei an den Märkten nicht erwartet worden, nachdem kurz vor dem Beginn der üblichen quiet period gleich mehrere EZB-Verantwortliche sich sehr dovish geäußert hätten. Entsprechend gedämpft sei zuletzt die Entwicklung bei den Kapitalmarktrenditen gewesen. Auch die mittelfristigen Leitzinserwartungen hätten sich wieder etwas verringert.

EZB-Präsidentin Lagarde habe bei der Pressekonferenz keinen Zweifel aufkommen lassen, dass die Notenbank weiter für günstige Finanzierungskonditionen und eine funktionierende Transmission der Geldpolitik sorgen und so ihren Beitrag zur Überwindung der Corona-Krise leisten werde. Die bessere Infektionslage, Fortschritte bei Impfungen und ein robusterer Wirtschaftsausblick würden dabei wachsende Anforderungen an die Kommunikation der Geldpolitik stellen.

Auf der Pressekonferenz habe Lagarde das T-Wort vermieden, eine Diskussion über den Exit sei weiter verfrüht. Es sei möglich, dass die EZB später im zweiten Halbjahr das PEPP-Ankauftempo langsam anpasse, aber nur soweit die Finanzierungsbedingungen dies zulassen würden. Die Verkündung expliziter Taperingzielwerte bleibe daher auch im weiteren Jahresverlauf unrealistisch, vielmehr dürfte das Programm stärker konditioniert und implizit gesteuert werden. Aber auch ein Ende des PEPP im Laufe von 2022 würde sicher durch eine Anpassung beim APP flankiert werden, um Klippeneffekte zu vermeiden. Eine Leitzinserhöhung bleibe vor diesem Hintergrund vor 2024 unrealistisch, sofern sich die Inflationseinschätzung der EZB nicht als fundamental falsch erweise. Die Kapitalmarktrenditen dürften daher im Zuge der wirtschaftlichen Erholung nur sukzessive und moderat steigen.

Die EZB halte wie erwartet an ihrer sehr expansiven Geldpolitik fest. Auch für das dritte Quartal signalisiere der Rat ein Beibehalten des zuletzt erhöhten PEPP-Ankauftempos. Dies stelle sicher keine Überraschung für die Märkte dar. Lagarde habe erneut betont, dass der Inflationsimpuls transitorisch sei - auch wenn die Inflationsprojektionen der EZB für 2021 und 2022 angehoben worden seien. Tatsächlich sei das aktuelle Inflationsumfeld für die EZB deutlich entspannter als für die FED, mit einer US-Preissteigerungsrate von 5,0% Y/Y! Die EZB sorge vorerst weiter für günstige Finanzierungsbedingungen, und auch auf mittlere Sicht bleibe die EZB-Politik klar expansiv. Leitzinserhöhungen vor 2024 würden derzeit als unrealistisch erscheinen. (10.06.2021/alc/a/a)