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Spiegeln höhere langfristige Zinsen beschleunigtes Wachstum wider - sollten Schwellenmärkte widerstandsfähig bleiben


07.05.21 11:00
Lyxor Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Die "COVID-Gewinner"-Themen von 2020 haben gegenüber den "COVID-Verlierern" an Boden verloren, beobachtet Florence Barjou, CIO von Lyxor Asset Management.

Dieser Trend könnte ihrer Meinung nach auch die Underperformance von Schwellenländeraktien seit Jahresbeginn erklären.

"Die Sektorrotation begünstigte eindeutig zyklische und Value-Titel zulasten von Wachstums- und defensiven Titeln, wobei je nach Anlagethema Performanceunterschiede von bis zu 20 Prozent zu verzeichnen waren," erläutere Barjou. "Der gemeinsame Faktor hinter all diesen Entwicklungen ist das Reflationsthema, angetrieben durch die Einführung von Impfstoffen und eine deutliche Aufwärtskorrektur der US-Wachstumsaussichten." All dies habe seit Jahresbeginn zu einer Versteilerung der Renditekurve und einer breiten Aufwertung des US-Dollar geführt. Es würden Erinnerungen an das "Taper Tantrum" von 2013 geweckt, das sich besonders nachteilig auf Schwellenländeranlagen ausgewirkt habe.

"Der heutige Kontext ist natürlich ein ganz anderer, da die wichtigsten Zentralbanken, einschließlich der FED, eine langfristig akkommodierende Geldpolitik verfolgen," sage Florence Barjou. "Obwohl sich die Amplitude der langfristigen Zinsbewegungen in Grenzen halten dürfte, scheint die zukünftige Richtung klar zu sein, und wir erwarten, dass die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen das Jahr bei 2,20 Prozent beenden wird".

Die Schwellenmärkte sollten dennoch widerstandsfähig bleiben, solange höhere langfristige Zinsen ein beschleunigtes Wachstum widerspiegeln würden. Umgekehrt wäre es ein zusätzliches Risiko für Schwellenländeranlagen, wenn, wie vom IWF betont, eine Kurvenversteilerung durch eine Normalisierung der Laufzeitprämie aufgrund erhöhter Unsicherheit über die zukünftige Richtung der Geldpolitik ausgelöst würde.

"Hinzu kommt, dass Schwellenländer im Allgemeinen keinen Zugang zu Impfstoffen haben und sich bei vielen die Gesundheitsversorgung verschlechtert," so Barjou. Die Rahmenbedingungen seien zudem weniger unterstützend als in den Industrieländern. Es gäbe weniger Spielraum in der Fiskalpolitik, während die Geldpolitik teilweise eingeschränkt sei. "Die jüngsten Zinserhöhungen in der Türkei, Brasilien und Russland sind ein gutes Beispiel dafür, ebenso wie die verstärkte Konzentration auf die Liquiditätskontrolle in China, mit der ein besorgniserregender Anstieg der Inlandsverschuldung eingedämmt werden soll."

Positiv sei zu vermerken, dass die Leistungsbilanz und die Haushaltssalden viel robuster seien als 2013. "Wir erwarten keine Wiederholung der "Taper Tantrum"-Krise", erkläre Barjou. Dennoch könnte sich die relative Underperformance der Region auf kurze Sicht fortsetzen. "Daher haben wir unsere Position im Segment zugunsten von europäischen Aktien reduziert, die unter anderem von ihrer zyklischen Ausrichtung profitieren sollten." (Ausgabe vom 06.05.2021) (07.05.2021/alc/a/a)