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US-Notenbank FED hält geldpolitische Ausrichtung bei


22.03.21 10:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank hält an ihrer geldpolitischen Ausrichtung unvermindert fest, so die Experten von Union Investment.

Die Leitsätze seien ebenso unverändert geblieben wie auch die Anleihekäufe, die weitergeführt würden. Den Aktienmärkten habe die Botschaft von FED-Chef Powell in einer ersten Reaktion gutgetan, während sich der Anleihemarkt eher verschnupft gezeigt habe. Die Renditen seien zunächst angesichts des nun startenden Konjunkturpakets sowie möglicher weiterer umfangreicher Hilfen angestiegen. Der US-Rentenmarkt spiele klar die Wachstumsstory, zum Wochenschluss hätten sich die Anleihekurse aber wieder etwas erholen können. An den Aktienbörsen hätten sich hingegen die Rekordstände auch in der Berichtswoche vom 15. bis 19. März 2021 zum Teil fortgesetzt. Der Dow Jones Industrial Average etwa sei erstmals über die Marke von 33.000 Punkten geklettert. Der DAX 30 habe mit rund 14.800 Punkten am Donnerstag einen Rekordstand erreicht.

Die US-Notenbank FED habe am Mittwoch wie erwartet keine Änderungen an ihrem geldpolitischen Kurs vorgenommen. Die Leitzinsen würden unverändert bleiben, die Anleiheankäufe würden planmäßig fortgesetzt. In jüngster Vergangenheit habe sich am Markt und in der Finanzpresse der Begriff "Taper Tantrum" zunehmender Beliebtheit erfreut. Damit sei der Übergang der FED zu einer Reduzierung ihrer Anleihekäufe umschrieben. Angesichts der zunehmenden Inflationserwartungen im Rahmen erhöhter wirtschaftlicher Wachstumsprognosen sei es am Mittwoch Aufgabe der FED gewesen, die Anlegergemeinde hinsichtlich der Spekulation über einen frühen Rückzug der FED bei ihren Ankäufen wieder einzufangen.

FED-Chef Jerome Powell scheine dies gelungen zu sein. Trotz einer erhöhten Wirtschaftsprognose für das vierte Quartal 2021, die einen BIP-Zuwachs von 6,5 Prozent vorsehe (die Experten von Union Investment würden plus 5,7 Prozent erwarten), habe Powell die Gemüter eher beruhigen können. Die FED werde so lange Anleihen ankaufen, bis substanzielle Fortschritte in der realen Wirtschaft (und nicht nur in den Prognosen), wie beispielsweise dem Arbeitsmarkt, erkennbar seien. Darüber hinaus sähen die US-Notenbanker kaum Inflationsdruck. Mit 2,0 sowie 2,1 Prozent für 2022/2023 sei der Ausblick in den Makro-Projektionen der FED eher moderat.

Der jüngste Renditeanstieg beunruhige die FED zudem nicht, denn die Finanzierungsbedingungen hätten sich nach Ansicht der amerikanischen Währungshüter nicht verschlechtert. Letztlich bestehe für die FED aktuell kein Widerspruch zwischen positiven Wirtschaftsaussichten einerseits und einer fortgesetzt lockeren (dovishen) Geldpolitik andererseits. Die amerikanischen Leitzinsen dürften somit bis Ende 2023 auf dem derzeitigen Niveau verharren.

Mit Blick auf die wöchentlichen Wirtschaftsdaten habe sich in China im Februar ein anhaltend positives Bild gezeigt. Sowohl die Industrieproduktion als auch der Einzelhandel hätten über den Schätzungen der auf Bloomberg befragten Analysten gelegen.

In den Vereinigten Staaten habe der Empire State-Manufacturing-Index (März) über Erwartung zugelegt. Die US-Industrieproduktion habe hingegen im Februar um 2,2 Prozent nachgegeben, was vor allem auf den Wintereinbruch und die teilweisen Stromausfälle zurückzuführen sei. Zudem hätten auch die US-Einzelhandelsumsätze im Februar um drei Prozent nachgegeben. Hierzu sei angemerkt, dass der Vormonat kräftig - auf plus 7,6 Prozent - nach oben revidiert worden sei. Die Experten von Union Investment würden aber erwarten, dass sich der positive Trend in der US-Wirtschaft weiter fortsetzen werde. Dies habe sich auch mit dem am Donnerstag veröffentlichten Philadelphia FED Business Outlook-Index bestätigt, der im März von 23,1 auf 51,8 Punkte regelrecht nach oben geschossen sei. Der NAHB-Wohnungsmarkt-Index habe, wohl in erster Linie aufgrund des Renditeanstiegs in den USA, um zwei auf 82 Punkte nachgegeben. Dieser bleibe aber immer noch robust, zumal die Immobiliennachfrage weiterhin als solide eingeschätzt werde. Der US-Arbeitsmarkt habe sich zuletzt mit unerwarteten 770.000 Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe etwas eingetrübt.

In Deutschland habe sich beim ZEW-Index die Lage angesichts der - bis zum Befragungsende - bestehenden Hoffnungen auf eine Lockerung der Corona-bedingten Beschränkungen aufgehellt. Die Erwartungskomponente der befragten institutionellen Anleger und Analysten sei für März auf 76,6 (Vormonat 71,2) Punkten angestiegen. (Ausgabe vom 19.03.2021) (22.03.2021/alc/a/a)