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Wandelanleihen: Ein wesentlicher Bestandteil der optimierten Asset-Allokation


09.06.21 15:30
Credit Suisse

Zürich (www.anleihencheck.de) - Globale Wandelanleihen zeigten ihre Vorzüge im Jahr 2020, als die Anlageklasse sowohl die festverzinslichen Anlagen als auch die globalen Aktienmärkte übertraf, so die Experten der Credit Suisse.

Im Verlauf der COVID-19-Pandemie hätten Wandelanleihen ihre defensiven Eigenschaften durch die festverzinsliche Komponente, den sogenannten Anleihen-Floor, gegenüber den Aktienmärkten unter Beweis gestellt.

Globale Wandelanleihen hätten ihre Vorzüge im Jahr 2020 gezeigt, als die Anlageklasse sowohl die festverzinslichen Anlagen als auch die globalen Aktienmärkte übertroffen habe. Im Verlauf der COVID-19-Pandemie hätten Wandelanleihen ihre defensiven Eigenschaften durch die festverzinsliche Komponente, den sogenannten Anleihen-Floor, gegenüber den Aktienmärkten unter Beweis gestellt. Aufgrund der technischen Ausgestaltung der Wandelanleihen sei die Sensitivität gegenüber den Aktienmärkten (Delta) mit der Erholung der Finanzmärkte im zweiten und dritten Quartal automatisch erhöht worden, womit Wandelanleihen überdurchschnittlich an der Erholung hätten partizipieren können.

Wieso aber hätten globale Wandelanleihen trotz einer theoretisch geringen Aktiensensitivität im Jahr 2020 besser abgeschnitten als andere Anlageklassen? Hierzu hätten verschiedene Faktoren wie Konvexität, unterschiedliche Sektorgewichtungen gegenüber Aktien- und Kreditmärkten sowie die dynamische Anpassung des Universums insbesondere zum Start der Neuemissionswelle im Frühling des letzten Jahres beigetragen. Während es in der Vergangenheit vor allem kleine- und mittelgroße Wachstumsunternehmen gewesen seien, die den Markt bestimmt hätten, seien im Laufe des letzten Jahres vermehrt auch Zykliker aktiv geworden. Ein prominentes Beispiel dafür sei die Reisebranche mit Jumbo-Emissionen u.a. von Lufthansa oder Southwest Airlines gewesen.

Nach dem Ausnahmejahr 2020 für Wandelanleihen stelle sich die Frage, ob es für eine Neuinvestition in Wandelanleihen nun nicht "bereits zu spät" sei. Die Experten würden hier aus verschiedenen taktischen- und strategischen Gründen weiterhin Potenzial für Wandler sehen. In Zeiten mit Null- oder Negativrenditen an den Anleihenmärkten und rekordhohen Bewertungen an den Aktienmärkten würden Wandelanleihen mehr denn je eine attraktive Alternative darstellen. Das Carry-Argument der festverzinslichen Anlagen habe ausgedient, und der Nachteil der Wandler in Form von niedrigeren Couponzahlungen (da Investoren für die eingebettete Option bezahlen würden) im Vergleich zu klassischen Obligationen sei, historisch betrachtet, so gering wie noch nie.

So hätten Investoren die zuvor erwähnte Lufthansa-Wandelanleihe im November 2020 zu 2% Coupon und einer Laufzeit von fünf Jahren mit einer Prämie von 42% oder kurz darauf eine "normale" Obligation zu 3% auf 5,5 Jahre zeichnen können. Interessanterweise sei (per 10. Februar 2021) die Wandelanleihe aufgrund der Erholung des Aktienkurses des Emittenten auf 116% angestiegen, während die Obligation ohne Wandelrecht durch die Ausweitung der Kreditrisikoprämie um 2% gesunken sei.

Erwähnenswert sei auch die Tatsache, dass Phasen erhöhter Volatilität an den Finanzmärkten, wie sie im Januar 2021 zu beobachten gewesen seien, Wandelanleihen in der Regel Auftrieb verleihen würden und somit gegenüber den Aktienmärkten eine relative Outperformance erzielt werden könne. Dies sei unter anderem der langfristigen Option einer Wandelanleihe zur verdanken, die unabhängig von der Richtung der Aktienmärkte an Wert gewinne, wenn die Volatilität steige. Die Experten würden glauben, dass die Volatilität - gemessen an der Differenz zwischen realisierter und impliziter Volatilität - derzeit günstig bewertet werde.

Des Weiteren sei die Anlageklasse im Hinblick auf die jüngsten Bedenken bezüglich einer erhöhten Inflationsgefahr aufgrund der eingebetteten Option und der kurzen Laufzeiten (im Durchschnitt ca. drei bis vier Jahre) wenig sensitiv gegenüber Zinssatzänderungen und könne bis zu einem gewissen Grad einen Schutz gegen inflationäre Tendenzen bieten.

Nun sei das Anlagejahr mit der außerordentlichen Performance für Wandelanleihen nicht nur ein kurzfristiges Phänomen. Seit Beginn der Messungen von Indexzeitreihen für Wandelanleihen habe sich die Nische gegenüber den Hauptanlageklassen Aktien und Anleihen global sehr gut behauptet.

Die Hauptgründe für dieses attraktive Abschneiden lägen in der unterschiedlichen Struktur und Dynamik der verschiedenen Anlageklassen wie Kreditqualität, Industrien, Regionen und Wachstum vs. Zykliker.

In einer zukunftsgerichteten Optimierung der strategischen Asset-Allokation würden sich Wandelanleihen aufgrund ihrer Absicherungseigenschaften und aktienähnlichen Renditeerwartungen als zur Beimischung besonders geeignet erweisen. Hauptziel der Optimierung sei es, für ein Mischportfolio (klassischer Balanced-Ansatz aus Aktien, Renditenpapieren, Immobilien und alternativen Anlagen) Verlustrisiken zu minimieren. Die optimierte Allokation indiziere eine Gewichtung von bis zu 20% Wandelanleihen (primär Investment-Grade(IG)-Qualität). Hingegen würden globale Aktien und herkömmliche Anleihen stark untergewichtet.

Wenn man die langfristige Wertentwicklung der optimierten Portfolios betrachte, werde erkennbar, dass der maximale Verlust reduziert und eine durchschnittlich höhere Rendite erwirtschaftet worden sei. Der Mehrwert von Wandelanleihen unterscheide sich jedoch je nach Marktumfeld stark. Betrachte man die verschiedenen Marktszenarien, stelle man fest, dass die Renditeerwartung der Wandler in einem sehr positiven Marktumfeld besser ausfalle als jene der Anleihen, während Wandelanleihen in einem negativen Marktumfeld deutlich weniger verlieren würden als Aktienanlagen. Insgesamt sei die Wandelanleihe im neutral-positiven Umfeld weniger gut geeignet, da dann die Opportunitätskosten überwiegen würden.

Wandelanleihen könnten langfristig einen Vorteil gegenüber einem traditionellen Aktien-/Anleihen-Portfolio bieten, da im gegenwärtig viel diskutierten Inflationsszenario der Aktienoptionsteil dominiere, in einer Deflationsphase hingegen der Anleihenschutz zur Geltung komme. Wandelanleihen würden somit das Beste aus beiden Welten bieten, was in vielen verschiedenen Wetterlagen an den Finanzmärkten zur Stabilität und Rentabilität des Portfolios beitragen könne, in einer normalen expansiven Phase jedoch mit einer Minderrendite erkauft werde.

Die Frage sollte also nicht lauten, ob man eine Wandelanleihen-Allokation etabliere, sondern wie groß die Allokation gemäß Einschätzung des zukünftigen Marktszenarios ausfallen solle. (09.06.2021/alc/a/a)